Donnerstag, 24. März 2011

Missed Defence

It must have been time trouble that Black missed a strong defence in the diagram below from Nisipeanu - Tregubov (Aix-les-Bains 2011).



With his last move 39.Qf2-b2? White threw away the win, but Black didn't notice it and played 39.- Rxe3? and then resigned after 40.Qb8.

Instead 39.- f4! would have made the draw with the perpetual check Qg3+/Qe1+. What a pity!

Dienstag, 22. März 2011

Schach in der Literatur ‒ "End Play" (Harry Kemelman)

"End Play" (1950) aus der Krimirätselsammlung "The Nine Mile Walk" ist eine Geschichte, in der Schach eine hervorgehobene Rolle spielt. Der Leser ist bei dieser Sammlung aufgefordert, an der Lösung der Fälle selbst mitzuwirken, und bei dieser Geschichte "hilft es Ihnen ein wenig, wenn Sie Schach spielen" [1].

Inhalt:

Professor McNulty spielt in dem Arbeitszimmer seines Hauses mit seinem Kollegen Professor Albrecht eine Partie Schach, als er plötzlich mit der Begründung aufsteht, es hätte an der Tür geklingelt. Er geht in die Diele und dann hört man einen Knall. Albrecht sieht nach einer Weile nach ihm (er hatte den Schuss für eine Autofehlzündung gehalten) und findet den erschossenen McNulty auf dem Boden liegend.
Frage: Wer hat McNulty erschossen, oder war es Selbstmord?
(Es ist zu beachten, dass sich der Ablauf der Ereignisse allein auf die Aussage Albrechts stützt.)

Die Polizei hat ein Foto vom Arbeitszimmer gemacht, auf dem auch die Stellung der Schachpartie zu sehen ist, die McNulty und Albrecht gespielt haben:

Die Spielstellung war deutlich zu erkennen, und die geschlagenen schwarzen und weißen Figuren lagen alle in einem Haufen auf der einen Seite des Brettes.
[...]
Die Figuren und ihre Stellungen erinnerten mich an ein bestimmtes Spiel. Dann hatte ich es. "Er hat das Logan-Asquith-Gambit gespielt! Und sogar ganz ausgezeichnet."
"Nie gehört", sagte Nicky.
"Ich kannte es auch nicht, bis McNulty es mir letzte Woche im Universitätsclub gezeigt hat. Er war in Lowensteins "Endspiele" darauf gestoßen. Es wird nur ganz selten gespielt, weil es eine riskante Eröffnung ist."

Es ist fast überflüssig zu erwähnen, dass es weder das Logan-Asquith-Gambit noch einen bekannten Schachspieler namens Lowenstein gibt.
Ein grober Fehler unterläuft Kemelman, wenn er der Meinung ist, man könne anhand einer Stellung beurteilen, wie die Partie vorher verlaufen ist. Auch ist es unwahrscheinlich, dass ein Eröffnungsgambit in einem Endspielbuch behandelt wird.

Aber darauf kommt es in der Geschichte nicht an, wie der Protagonist Nicky Welt feststellt:

"Ich habe nicht über die Figuren auf dem Brett nachgedacht, sondern über die n e b e n dem Brett - über die, die genommen worden sind."
"Und was ist damit?"
"Sie liegen alle auf einer Seite des Brettes, die schwarzen und die weißen."
"Ja, und?"
"Du spielst Schach, wie du schreibst oder Tennis spielst. Bist du Rechtshänder, ziehst du mit der rechten Hand; ebenso schlägst du die Figuren deines Gegners mit der rechten Hand und legst sie neben das Brett. Wenn zwei Rechtshänder wie McNulty und Albrecht miteinander spielen, dann endet die Partie damit, dass die schwarzen Figuren, die Weiß genommen hat, rechts liegen, und die weißen, die Schwarz genommen hat, diagonal entgegengesetzt auch wieder rechts vom Spieler liegen." [...] "Wenn ein Linkshänder einem Rechtshänder gegenübersitzt", fuhr Nicky fort, "dann werden alle geschlagenen Figuren auf einer Seite des Brettes liegen - aber natürlich voneinander getrennt, die schwarzen liegen dicht bei Weiß und die weißen dicht bei Schwarz. Jedenfalls liegen sie bestimmt nicht wirr auf einem Haufen wie auf der Fotografie."

Die Beobachtung, die Nicky Welt macht, ist scharfsinnig und richtig, wobei die Figuren nicht "liegen", sondern "stehen" (hier könnte es sich um einen Übersetzungsfehler handeln). Welt kommt zu der Schlussfolgerung, dass die Stellung nicht durch ein Spiel entstanden ist, sondern aufgebaut wurde, und zwar von Albrecht, nachdem er McNulty erschossen hatte. Eine Schachpartie zwischen den beiden fand gar nicht statt:

"Ich meine", sagte Nicky, "dass Professor Albrecht ungefähr um acht Uhr an McNultys Haustür klingelte, und dass er, als McNulty ihm aufmachte, die Pistole gegen seine Brust presste und abdrückte. Danach gab er dem Toten die Pistole in die Hand, stieg über die Leiche und stellte in aller Ruhe die immer paraten Schachfiguren nach dem Diagramm eines der vielen Schachbücher von McNulty auf das Brett. Es war die Partie eines Experten; vermutlich stammt sie von Lowenstein."

Hier taucht wieder der Fehler auf, dass man anhand einer Stellung nicht auf den Partieverlauf schließen kann. Es ist auch unwahrscheinlich, dass ein geübter Schachspieler eine Stellung aus einem Buch aufbaut. Er könnte sich ohne Mühe selbst eine realistische aus den Fingern saugen.

Resümee aus schachlicher Hinsicht:

In "End Play" tauchen die üblichen schachtechnischen Fehler auf, die einen Vereinsspieler zur Weißglut bringen. Die Pointe mit den falsch stehenden geschlagenen Figuren ist allerdings äußerst gelungen und auch technisch richtig.

-------------------------------
[1] Die Zitate stammen aus der deutschen Übersetzung von Edda Janus. Leider liegt mir der amerikanische Originaltext nicht vor. Janus hat den Titel "End Play" mit "Die letzte Partie" übersetzt, was nicht zutreffend ist, wenngleich es durchaus einen Sinn ergibt. Es ist zu befürchten, dass diese Freizügigkeit der Übersetzung auch andere Teile des Textes betrifft.

.

Sonntag, 20. März 2011

Blunder (22)

In the diagram below you see a position from Spoelman - Krämer (Bundesliga 2011) with Black being a piece up and to move.




Tactical players will notice White's hidden mating motif with Re7-e8 which is not dangerous in the moment since the square e8 is covered two times by the black pieces.


BUT, if Black moves for example 26.- Nd5?? it becomes evident. 26.- Qxa3 would be good. 27.Bxd5 27.Qf5! would now have won on the spot since Bxf5 is not possible (27.- Bxf5 28.Re8#) and the knight d5 is pinned (27.- Nf6 28.Qxa5); 27.- Nd8 28.Rxd7 +- 27.- cxd5 28.Bxc7? Once again Qf5! would be the winner. 28.- Qxc7? 28.- Qxa3 29.Re1 is far better 29.Qf5! Finally White found this move. 1-0


.

Mittwoch, 16. März 2011

Best move (6)

Position from Shabalov - Ramirez (Dallas 2011). Which is the best move for Black to play?




Solution: 28.- Nxh2! is best. 29.Kxh2 Bd7 30.Qf3 Qxh4+ 0-1

.

Mittwoch, 9. März 2011

Blunder (21)

Position from Robson - Ramirez (Saint Louis 2011, rapid) with black to move:



41.- Bf4 would have been an easy way to draw the game, instead black blundered with 41.- Qc8??

Now white won material with 42.Qd5+ Kh8 43.Bb8! and the pawn queens. It followed 43.- Qa6 44.a8-Q Bf4+ 45.g3 Qxa8 46.Qxa8 Rxb8 47.Qc6 Be5 48.Qxc5 with an easy win (1-0, 67.)

.

Sonntag, 27. Februar 2011

Schach in der Literatur ‒ "A Bad Night for Burglars" (Lawrence Block)

Lawrence Block gehört hierzulande zu den weniger bekannten amerikanischen Krimiautoren. Das ist schade, denn er liefert seit Jahrzehnten erstklassige Ware der härteren Gangart. Seine Geschichten sind originell und realistisch, und das ist ein Gütesiegel, das man den wenigsten ausstellen kann. Bei den meisten anderen Autoren hat man den Eindruck, dass sie ihre Ideen aus allen möglichen Quellen beziehen - nur nicht aus dem eigenen Kopf.

Die Kurzgeschichte, die ich hier vorstellen will, heißt "A Bad Night for Burglars" ("Eine schlechte Nacht für Einbrecher"). Sie erschien zuerst 1977 in Ellery Queen's Mystery Magazine.


Der Geschäftsmann Arthur Trebizond stellt einen Einbrecher, der in sein Haus eingestiegen ist. Trebizond hat einen Revolver und so kann er dem Einbrecher das Brecheisen abnehmen. Es entwickelt sich ein Gespräch, in dem Trebizond den Einbrecher fragt, was er denn außer Stehlen noch könne. Dieser antwortet, dass er ganz gut Schach spiele.
Trebizond fordert den Einbrecher zu einer Partie auf und sie beginnen zu spielen.

Sie spielten in der Eingangshalle. Der Einbrecher nahm in der ersten Partie die weißen Steine und eröffnete mit dem Königsbauern. Er spielte eine einfallsreiche Variante im Spanier, abert im sechzehnten Zug konnte Trebizond einen Turm für einen Springer gewinnen, und nicht lange danach gab der Einbrecher auf.
Im zweiten Spiel hatte der Einbrecher Schwarz und erwiderte mit Sizilianisch. Er spielte eine Variante, die Trebizond nicht kannte. Das Spiel war lange Zeit ausgeglichen, dann gelang es dem Einbrecher im Endspiel, einen Freibauern zu bilden. Als abzusehen war, dass er sich in eine Dame verwandeln würde, kippte Trebizond seinen König um und gab auf. [1]

Als sie eine dritte Partie beginnen wollen, kommt Trebizonds Frau zur Tür herein. Nach einem kurzen Wortwechsel erschlägt Trebizond sie mit dem Brecheisen. Danach erschießt er den Einbrecher mit dem Revolver. Der Polizei wird er später erzählen, er hätte den Einbrecher in Notwehr erschossen, nachdem dieser seine Frau erschlagen hatte. Dabei hatte er die Anwesenheit des Einbrechers berechnend dazu benutzt, den Mord an seiner Frau zu verschleiern.

Die Kurzgeschichte ist intelligent konstruiert und logisch nachvollziehbar. Die gute Darstellung der beiden Schachpartien zeigt, dass Block auch im Detail akribisch ist. Wenngleich "A Bad Night for Burglars" nicht zu den besten Geschichten Blocks zählt (die Motivation Trebizonds, seine Frau umzubringen, wird nicht herausgearbeitet), ist er ein Mann, dem man vertrauen kann.

--------------------
[1] Übersetzt aus Lawrence Block: "Enough Rope", HarperCollins 2003, S. 7. Übersetzung von spr.

Freitag, 11. Februar 2011

Ein brillianter Zug

Bloß keine Phrasen, keine Pflegerschen Apercus und Bonmots - das ist ein Grundsatz dieses Blogs.
Dennoch kommt man manchmal nicht umhin, eine Sünde zu begehen und etwa vom "Spiel der Könige" zu reden. In der Stellung, die ich unten vorstelle, kam mir diese Formulierung ernsthaft in den Sinn, da sie doch beweist, dass Schach einen höheren ästhetischen Wert hat als etwa Skat oder Mau Mau.


Im Diagramm aus Korobov - Vocaturo (Moskau 2011) machte Weiß einen wahrhaft "königlichen" Zug:




18.Td8!

Köstlich. Die Pointe liegt in 18.- Txd8? 19.Df7+ Kh8 20.De7! (die Dame bedroht den Springer c5 und den Turm d8, was gleichzeitig Matt droht; zudem ist Sf7+ möglich; diese Stellung ist nicht mehr zu halten)


War Td8 ein Zug, der auf der Hand lag? In der Ausgangsstellung fällt auf, dass sich die schwarzen Figuren fast alle am Damenflügel aufhalten (die Dame auf a6 hat gar nur das Feld b6 zur Verfügung). Die untere Darstellung verdeutlicht diesen Sachverhalt:





Die gelb eingefärbten Felder zeigen die maximale Reichweite der schwarzen Figuren (vom Turm auf f8 abgesehen). Sie reichen nicht über die d-Linie hinaus. Dies ist fast immer ein Signal für die angreifende Partei, gegen den gegnerischen König tätig zu werden. Allerdings hat Weiß auch nur drei Figuren im Einsatz (der Läufer auf g2 steht etwas ungünstig, kann aber über h3 eingreifen). Weiß hat den Willen etwas zu tun - und das bevor ein schwarzer Springer auf d3 erscheint! (18.Sg6 hxg6 19.Dxc5 wäre eine zu zahme Abwicklung, die nur Ausgleich bringt.)



18.Td8! fxe5 (der einzige gute schwarze Zug) 19.Txf8+ Kxf8 20.f4! (dieser Zug muss kommen, sonst läuft der Angriff leer) Ke7







Hier zog Korobov leider etwas ungenau 21.fxe5, wonach er die Partie dennoch gewann, stärker war aber 21.Dxe5!, etwa 21.- Sd3 22.Dxg7+ mit schon zwei Bauern für die Figur und anhaltendem Druckspiel + der Bauer h7 fällt. Der Computer bewertet die Stellung mit +2,1.


Die Partie zeigt, dass man den richtigen Riecher haben muss, "wann etwas geht".

.

.